Lara Skeiker, Jahrgang 1984, trat die neue Position ohne Berufserfahrung und Nachhaltigkeitsnetzwerke an. (Foto: Hafen Brunsbüttel)

Lara Skeiker überzeugt mit Biss und Leidenschaft

01.03.2023

Die 38-Jährige verantwortet seit Sommer 2021 Nachhaltigkeitsthemen im Hafen Brunsbüttel. Zunächst wollte das Unternehmen die Bewerberin ablehnen, inzwischen beeindruckt sie.

Das Recyceln von Wasser war eine ihrer ersten Ideen in Brunsbüttel. Um den Umgang mit Wasser ressourcenschonender zu gestalten, nutzt man im Hafen inzwischen aufbereitetes Regenwasser statt Trinkwasser.

Damit hat Lara Skeiker bereits ein erstes Zeichen in dem Elbehafen gesetzt. Weitere sollen folgen. Frank Schnabel, Geschäftsführer von Brunsbüttel Ports, erwartet von ihr, dass sie frischen Wind in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit in das Unternehmen bringt. Seit dem 1. Juni 2021 verantwortet Skeiker die Nachhaltigkeitsstrategie im Hafen Brunsbüttel.

Ihr Weg in das Unternehmen war nicht einfach. Vor sieben Jahren verließ die heute 38-Jährige ihre Familie und die Geburtsstadt Damaskus, Hauptstadt von Syrien, und flüchtete über die Türkei nach Deutschland. Nachdem ihre Berufsausbildung als medizinische Laborassistentin und ihr Biologiestudium in Deutschland nicht anerkannt wurden, bildete sie sich in den Bereichen Umweltwissenschaften und Nachhaltigkeit weiter. In Bremen belegte Skeiker 2018 bis 2020 ein Studium zur Projektentwicklerin Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit. Es folgten Kurse zur Umweltmanagerin, Umweltauditorin und Umweltschutzbeauftragte. „Ich habe mich auf Jobs in diesen Bereichen beworben und nur Absagen bekommen“, berichtet Skeiker. Sie gab nicht auf.

Ihr Berufsprofil passte nicht

Als Brunsbüttel Ports im Frühjahr 2021 eine Stelle für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausschrieb, bewarb sich Skeiker. Sie interessierte sich für die laufenden Projekte in diesen Bereichen, die das Unternehmen bereits etabliert hatte. So sollen beispielsweise die CO2-Emissionen und der Ressourcenverbrauch sowohl an der Kaikante als auch auf dem Hafengelände gesenkt werden. Daran will sie anküpfen. „Ich kann mich hier entwickeln und lernen“, sagt sie.

In der Personalabteilung wurde jedoch bereits die Absage verfasst. „Das Profil von Frau Skeiker passte zunächst nicht in unsere Bewertungskriterien. Für uns fehlten die Berufserfahrung im unternehmerischen Umfeld, Projektkenntnisse und Netzwerke in Nachhaltigkeitsthemen sowie die Verhandlungssicherheit in der deutschen Sprache“, so Schnabel rückblickend.

Eine Person jedoch sah Potenzial in der jungen Frau. Brigitte Rau, Assistentin der Geschäftsführung, war sich sicher: „Die Bewerberin müssen wir uns unbedingt angucken. Sie hat etwas.“ Rau überzeugte ihren Chef.

Die junge Syrerin wurde zu einer Videokonferenz eingeladen. „Und dann war es um uns geschehen“, sagt Schnabel. „Wir haben gespürt, dass da eine Persönlichkeit mit einem vielfältigen Lebenslauf steht, die etwas bewegen will. Sie hat uns alle mit ihrer Leidenschaft angesteckt und ihrer Präsenz beeindruckt.“

Die Kollegen lächeln, wenn sie von Skeiker erzählen. „Die Sprache war anfangs ein großes Hemmnis. Sie hat nicht alle unserer Fragen verstanden“, erinnert sich Rau. Dennoch habe Skeiker mit ihrer herzlichen Art und ihrer Ausstrahlung Eindruck hinterlassen.

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel